Mögliche Maßnahmen gegen den IT-Fachkräftemangel

Wie schlimm ist der IT-Fachkräftemangel?

IT-Fachkräfte sind schwer gesucht – das sind keine „breaking news“ mehr. Der Terminus Fachkräftemangel hat sich zwischenzeitlich bis in die entlegenste Kommune und bis zum eingestaubtesten Hinterhof-Mittelständler rumgesprochen. Die Situation hat sich in den letzten Jahren nochmals deutlich zugespitzt: 60.000 IT-Stellen sind aktuell unbesetzt; Tendenz steigend. Wer heute eine IT-Fachkraft sucht, muss im Schnitt 132 Tage harte Recruiting-Arbeit leisten; es gibt auch Firmen, die länger oder gar endlos suchen. Jede unbesetzte IT-Stelle kostet die Unternehmen Wertschöpfung, Innovation, digitale Entwicklungsschritte und letztendlich bares Geld. 

Die IT-Branche gilt als der Zukunftssektor des Arbeitsmarktes. Und tatsächlich wurde hier 2017 der höchste Zugewinn an neuen Arbeitsplätzen verzeichnet. 45 000 neue Jobs wurden in diesem Sektor im letzten Jahr geschaffen. Industrieverbände befürchten Personalengpässe und weisen auf den Fachkräftemangel hin. Doch ein flächendeckender Fachkräftemangel konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Typische Fehler im Recruiting

Es gibt kaum mehr Firmen, die freie IT-Stellen ausschließlich in regionalen Printmedien inserieren und sich dann über Nichtbesetzung beklagen. Vielen Betrieben ist bewusst, dass das E-Recruiting über verschiedene Kanäle gehen muss. Die Auswahl des richtigen Kanals ist jedoch auch kein Garant für eine erfolgreiche Stellenbesetzung. Nach wie vor glauben deutsche Unternehmer, die IT-Kräfte bewerben sich bei ihnen auf die Stelle. Aber oftmals bewerben sich heute die Firmen bei den IT-Experten und müssen sich und ihre Stelle anbieten. Wer das nicht verstanden hat, wird mit seiner auch noch so blinkenden Anzeige keinen IT’ler vom PC hervor und an den Firmen-Schreibtisch locken.

Oftmals stimmt auch das betriebliche Gesamtpaket aus Gehalt, Sozialleistungen, Umfeld, Team und Herausforderungen nicht. Viele Unternehmen verlassen sich auf ein gutes Gehaltsangebot und ihren guten Ruf – das Erstaunen ist dann groß, wenn die Bewerbungsschreiben ausbleiben oder nicht die gewünschten Bewerber dabei sind. 

Mögliche Maßnahmen gegen den IT-Fachkräftemangel

Wir wollen ihnen nun ein paar Maßnahmen anbieten, die nützlich sein können um IT-Talente anzulocken.

Infrastruktur und ambitionierte Projekte anbieten

Um den IT-Fachkräftemangel wirksam anzugehen, müssen Sie Ihre informationstechnologische Strategie komplett überdenken. Wer die IT-Abteilung als eurofressende Kostenstelle interpretiert und diese Einstellung im unternehmerischen Alltag auch lebt, wird nie attraktiv für eine wechselbereite Fachkraft sein. IT-Spezialisten möchten ein herausforderndes Umfeld vorfinden; eine digitale Spielwiese mit Entwicklungsmöglichkeiten. Wenn da ein Unternehmen verstaubte physische Server in einem noch mehr verstaubten Serverraum vorweist, wird das keine Begeisterungsstürme im IT-Interessentenkreis entfachen. Moderne Infrastruktur mit aktuellen, ambitionierten Projekten hingegen schon. 

Eine Möglichkeit, um wirklich ambitionierte Programmierer abzuholen und ihnen spannende Projekte anzubieten, ist das initiieren eines Programmierwettbewerbes.

Employer Branding als langfristige Maßnahme

Justieren Sie Ihre Zeitschiene im E-Recruiting neu. Die Suche darf nicht erst starten, wenn der zusätzliche IT-Bedarf entstanden ist, sondern schon lange zuvor. Der Kontakt zu Ihren potenziellen IT-Experten muss frühzeitig aufgebaut und über die Jahre gehalten werden. Diese Maßnahmen wird oft mit dem Begriff Employer Branding zusammengefasst. Kontakte zu den Ausbildungsstätten und Universitäten sind eine Möglichkeit. Entsprechende langfristige unternehmerische Aktivitäten in Netzwerken und Plattformen, in denen sich IT-Kräfte digital bewegen, sind heute ebenfalls notwendig.

Rückmeldung einholen

Achten Sie darauf, wie Ihr Unternehmen auf Bewerber und Interessenten wirkt. Befragen Sie regelmäßig die Gäste bei Kundenbesuchen oder Bewerbungsgesprächen nach deren Einschätzung. So erkennen Sie, ob Sie so gesehen werden, wie Sie sich das vorgestellt und vorgenommen haben. Arbeiten Sie aktiv am Eindruck, den Ihr Unternehmen auf die Menschen außerhalb ihrer Firmen-Sphäre hinterlässt – stärken Sie die Unternehmensmarke! Das Stichwort ist auch hier: Employer Branding.

Werben sie speziell um weibliche IT-Fachkräfte

Gehen Sie gezielt neue Wege. Während in der Vergangenheit Männer die IT-Szene geprägt haben, kommt heute auch verstärkt das weibliche Geschlecht zu den Bits und Bytes. Ergreifen Sie die Chance und richten Sie Ihr Unternehmen danach aus. Zielen Sie auf weibliche Fachkräfte ab; nehmen Sie beispielsweise an der Girl’s-Day-Kampagne teil und erzeugen Sie somit feminine Aufmerksamkeit.

Weibliche IT-Kräfte sind immer häufiger anzutreffen und eine echte Chance für IT-Unternehmen

Stellen verstärkt überregional ausschreiben & ausländische IT-Fachkräfte berücksichtigen

Auch kann der gezielte Fokus auf ausländische Fachkräfte eine Option sein. Richten Sie sich hierfür international aus und bieten Sie Deutschkurse sowie Unterstützung bei den behördlichen Hürdenläufen an. Seien Sie bei allen Maßnahmen kreativ und schaffen Sie Mehrwert und Nutzen für die Zielgruppe.

Alternative Beschäftigungsformen: Freelancer gegen den Fachkräftemangel

Selbst zur herkömmlichen Stellenbesetzung gibt es Alternativen. Setzen Sie für (temporäre) Standardaufgaben Freelancer oder externe Dienstleister ein. Hier hat sich in den vergangenen Jahren ein großer Markt mit hochspezialisierten Experten gebildet. Die IT-Aufgaben sind so vielschichtig geworden, dass der Einsatz von Expertenwissen oft im Vergleich zum Standardwissen eines eigenen IT-Mitarbeiters effektiver sein kann. 

Entwicklen Sie Talente von früh auf

Auch kann es eine Alternative sein, junge und vergleichsweise unerfahrene IT-Kräfte selbst auszubilden oder anzustellen und im Unternehmen on-the-job gezielt zu entwickeln. Der zeitlichen Investition für das Unternehmen steht dann aber erst zu einem späteren Zeitpunkt ein Benefit entgegen. Versuchen Sie, dass die IT-Talente sich bereits früh mit Ihrem Unternehmen identifizieren können. Dies erleichtert den späteren Recruiting-Prozess enorm, Sie sind der Konkurrenz einen Schritt voraus.

Bieten Sie besondere Unterstützungen – IT-Stipendien ausschreiben

Wenn Sie Ihr Personal bei der Wohnungssuche und bei der Integration in den Alltag unterstützen, können Sie Mitarbeiter locken, die sonst nicht den Weg zu Ihnen gefunden hätten. Eine Möglichkeit wäre es für neue Kollegen Mentoren bereitzustellen, die Neueinsteiger aus anderen Regionen begleiten. Besonders für neue Mitarbeiter, die aus dem Ausland kommen und sich noch in der neuen Umgebung zurecht finden müssen, kann diese Maßnahme sehr lukrativ sein.

Eine besondere Unterstützung sind Sie, wenn sie IT-Stipendien ausschreiben und somit IT-Talent frühzeitig für Ihr Unternehmen begeistern.

Fazit

Die digitalen Herausforderungen werden für alle Unternehmen substanziell sein. Hierfür stehen IT-Fachkräfte zur Verfügung – allerdings nicht in ausreichender Zahl. Die Nachfrage ist deutlich höher als das Angebot – ein Kampf um diese knappen Ressourcen ist bereits in vollem Gange. Sie werden als Unternehmer diesem Kampf nicht aus dem Weg gehen können. Bereiten Sie sich daher vor; analysieren Sie Ihre persönliche Lage und ergreifen Sie kreative und effektive Maßnahmen. Wie schon in der Evolutionstheorie werden auch bei diesem Kampf die Arten gewinnen, die sich am besten an das Umfeld anpassen können.

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