Recrutainment: so gewinnen Sie IT-Mitarbeiter spielend

Was ist Recrutainment?

Recrutainment, oft auf Recruitainment, bezeichnet die Einführung spielerischer Elemente in den Rekrutierungsprozess. Der allgegenwärtige Fachkräftemangel bringt auch für Arbeitgeber tiefgreifende Veränderungen mit sich. Um es etwas martialisch auszudrücken: Im „War of Talents“ sind althergebrachte Rekrutierungsstrategien wie auf gut Glück geschaltete Stellenanzeigen in etwa so wirkungsvoll wie eine Konfettikanone für die Landesverteidigung. 

Gerade im Wettbewerb um die größten Talente im IT-Bereich sind kreative Strategien gefragt. Nur so können Unternehmen Schlüsselstellen bestmöglich besetzen und gegenüber ihrer Konkurrenz im globalen Wettbewerb einen Schritt voraus sein. Ein Kernelement ist das Recrutainment, das durch aktuelle gesellschaftliche Trends stetig an Bedeutung gewinnt.

Wieso ist Recruitainment so erfolgversprechend?

Gesellschaftliche Trends bereiten den Boden für das Recrutainment

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem dynamischen Wandel, der von Globalisierung, Digitalisierung und gesellschaftlichen Megatrends geprägt ist. Hierzulande ist es gerade der gesellschaftliche Megatrend der „Vergreisung“, der den Kampf um die besten Talente verschärft. Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts soll sich die Gruppe der jungen Talente im Alter von 16 bis 29 Jahren ausgehend vom Jahr 2010 bis 2030 um fast 24% reduzieren. 

Das entspricht einem Defizit von über 3,2 Millionen Fachkräften. Umso wichtiger, dass sich Arbeitgeber offensiv und interessant positionieren, um im Wettstreit nicht zu unterliegen. Auch die Digitalisierung selbst macht ein Umdenken beim Recruiting notwendig. Aus der Informationseinbahnstraße ist durch das Web 2.0, soziale Netzwerke und Smartgeräte mittlerweile ein digitaler Dialog geworden. Die interaktiven Gestaltungsmöglichkeiten sind damit für Unternehmen Herausforderung und Chance zugleich, Personalauswahlverfahren neu zu denken.

Auf der anderen Seite begeistert sich der IT-Nachwuchs oftmals für spielerische Elemente. Bundesweit gibt es 25 Millionen Gamern, die regelmäßig Videospiele spielen. Und viele der früheren Gamer entwickeln mit der Zeit ein ausgeprägtes technisches Interesse.

Recrutainment und IT-Mitarbeiter – die perfekte Symbiose?

Talente im IT-Bereich gehören üblicherweise der Generation Y und Z an. Das bedeutet, dass sie mit der Digitalisierung aufgewachsen sind und zudem völlig andere Ansprüche stellen als vorherige Generationen. Im Fokus stehen dabei Faktoren wie Work-Life-Balance, Selbstverwirklichung und die Chemie zum jeweiligen Arbeitgeber. 

Gerade im IT-Bereich ist die Herangehensweise „der Arbeitgeber muss zu mir passen, nicht ich zum Arbeitgeber“ sehr verbreitet. Vormals wichtige Faktoren wie ein schicker Dienstwagen oder die absolute Sicherheit eines Arbeitsplatzes treten in den Hintergrund.

Wie erwähnt gehört ein großer Teil der Talentzielgruppe zu den bundesweit 25 Millionen Gamern, die regelmäßig Videospiele spielen. Für die Übertragung von Mechanismen aus Videospielen in die reale Welt (Gamification) sind diese IT-Talente daher besonders empfänglich. 

Clevere Arbeitgeber sollten sich diese Umstände bei Ihren Recruiting-Prozessen zunutze machen. Recrutainment bedeutet schließlich nichts anderes als die Einführung spielerischer Elemente in den Rekrutierungsprozess. Für die gezielte Anwerbung von jungen IT-Talenten ist das Recrutainment daher ein vielversprechendes Werkzeug.

Vorteile

Das Recrutainment wirkt sich auf diverse Bereiche des Recruiting-Prozesses aus. Damit dient es nicht ausschließlich der „Bespaßung“ potenzieller, zukünftiger Mitarbeiter, sondern hat für Unternehmen einige handfeste Vorteile. Das „Bewerbungsspiel“ mit Spaßfaktor führt Nachwuchskräfte spielerisch an Unternehmen und bestimmte Berufsbilder heran. 

Für IT’ler

Das macht sowohl das Berufsbild selbst als auch die Kultur des Arbeitgebers spielerisch erlebbar. Damit ist das Recrutainment eine hervorragende Option, um im Rahmen des Employer Branding das Profil des eigenen Unternehmens zu schärfen. Bestes Beispiel für diesen Ansatz ist der Suchmaschinen-Gigant Google, der nicht umsonst eines der Top-Ziele internationaler IT-Absolventen ist. 

Für Unternehmen

Im Gegenzug bekommen Unternehmen durch eine kreative Ausgestaltung des Bewerbungsprozesses einen viel tieferen Einblick in die persönlichen und fachlichen Kompetenzen der Bewerber, als dies mit einem klassischen Bewerbungsverfahren möglich wäre. Durch das Lösen von kompetitiven Teamaufgaben etwa lassen sich zentrale Faktoren Motivation, Führungsqualitäten, Teamfähigkeit und gezielt eingebrachte Fachkenntnisse präzise abprüfen. 

Dank dem ungezwungenen Kennenlernen in lockerer Atmosphäre auf Augenhöhe wird auch der direkte Draht zwischen Talenten und Arbeitgebern deutlich schneller geflochten als mit klassischen Methoden. Unter dem Strich steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Chemie zwischen Talenten und Arbeitgeber stimmt. Die Folge: eine höhere Arbeitsmotivation, Zufriedenheit und Produktivität sowie ein besseres Arbeitsklima. 

Potenzielle Gefahren durch Recrutainment

Das Recrutainment bietet enormes Potenzial. Belegt wird dies nicht zuletzt durch einer von Dr. Kristof Kupka durchgeführte Studie unter ca. 1.000 Nachwuchstalenten. Recrutainment-Mechanismen hinsichtlich von Bewerbungsprozessen wurden in dieser Kernzielgruppe im Durchschnitt mit den Schulnoten gut bis sehr gut bewertet. Allerdings sollten Unternehmen das große Potenzial des Recrutainments nicht überschätzen. Und das hat gleich mehrere Gründe:

Abschreckung erfahrener Bewerber

Auch wenn die Nachwuchstalente einen bedeutenden Teil der Bewerber ausmachen, sollten die langjährigen Fachkräfte nicht vergessen werden. Mit ihrem Erfahrungsschatz sind sie auch für junge, dynamische Unternehmen mit Chefs der Generation Y von unschätzbarem Wert. Diese Fachkräfte sind weniger „verspielt“, und könnten sich durch eine reine Recrutainment-Ausrichtung abgeschreckt fühlen. Letzteres gilt selbstredend auch für junge Talente, die sich von spielerischen Bewerbungsverfahren nicht angezogen fühlen.

Beispiele für gelungenes Recrutainment

Die Vorteile des Recrutainments liegen auf der Hand. Aber wie lässt sich das Konzept konkret umsetzen? Anbei einige Beispiele anderer Unternehmen, die Ihnen als Denkanstoß für Ihre eigenen Recrutainment-Aktionen dienen können:

Escape-Room

Nicht nur in der Freizeit beliebt, sondern auch im Bewerbungsprozess äußerst praktisch sind Escape Games. Übertragen auf das Recrutainment könnten Unternehmen beispielsweise eine Gruppe von IT-Talenten in einen Container einsperren. Dort müssen sie mit ihrem Fachwissen, wie z.B. Programmierkenntnissen in einem Zeitlimit verschiedene Aufgaben lösen, um sich aus dem Container zu befreien. Unternehmen überprüfen damit gleichzeitig das Fachwissen und die Soft-Skills, während die IT-Talente selbst Spaß an diesem spielerischen Test haben.

IT-Job-Shuttle

Alternativ ist auch eine Infotainment-Schnitzeljagd möglich, um sich potenziellen Bewerbern zu präsentieren. Viele Unternehmen aus der Branche tun sich dabei zusammen und organisieren sogenannte IT-Job-Shuttle. Hier erkunden Nachwuchskräfte im Rahmen einer Bustour an einem oder mehreren Tagen gemeinsam die in der Region tätigen Unternehmen der Digitalwirtschaft. Die Kombination aus Kurzvorträgen, Gesprächen und interaktiven Quiz-Spielen per App verleiht dem Event einen lockeren Charakter.

Fazit: Recrutainment kann wichtig sein – ist aber nicht alles

Wie Sie sehen, bietet das Recrutainment für Unternehmen eine nützliche Ergänzung im „War of Talents“. Sie sollten es jedoch niemals als neues Allheilmittel gegen den drohenden Fachkräftemangel in der IT verstehen. Eine ausgewogene Recruiting-Strategie ist nach wie vor die beste Lösung.

Recruitainment: Definition, Vorteile, Nachteile
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