Der „War for Talents“ in der IT-Branche

Die sogenannten MINT-Berufe in den Bereichen Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften und Technik sowie im Gesundheitswesen sind vom „Fachkräftemangel“ besonders stark betroffen. Unternehmen buhlen um den qualifizierten Nachwuchs, die sogenannten High Potentials. Es herrscht der War for Talents. 

Steven Hankin hat den Begriff erstmals 1997 in einer Studie für McKinsey & Company gebraucht. Mit dem Buch „The War for Talent“ hat das Schlagwort seit 2001 im Personalwesen Fahrt aufgenommen. 

IT-Spezialisten sind gefragt wie nie – Tendenz steigend

Seit Jahren spitzt sich die Lage im IT-Bereich zu. Nach Berechnungen des Vereins Deutscher Ingenieure hat es in Deutschland im Jahr 2016 28.800 offene Stellen für Informatiker gegeben – ein Anstieg um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Umgerechnet bedeutet das, dass auf jeden arbeitslos gemeldeten Informatiker 3,5 offene Stellen kommen. 

Bitkom legte im November 2016 ähnliche Ergebnisse vor. Ende des Jahres 2016 meldete der IT-Branchenverband deutschlandweit 51.000 offene Stellen für IT-Spezialisten. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es 43.000. Der Anstieg beträgt knapp 20 Prozent. Schon 2017 gab es 3,5 freie Stellen für jeden arbeitslosen Informatiker.

Gerade auf der Nachfrageseite steigt der Bedarf an IT’lern aufgrund der Digitalisierung an.

Infografik: Nachfrage nach Informatikern steigt auf Höchststand | Statista

Gründe für den War for Talents

Die Gründe für den Engpass an qualifizierten Bewerbern sind vielschichtig. Wie gesagt hat die Digitalisierung die Nachfrage nach IT-Experten erhöht. Das Angebot ist jedoch nicht im gleichen Maße mitgewachsen. So mangelt es nach wie vor an Absolventen in den MINT-Fächern. Initiativen wie „Komm, mach MINT“ rühren seit Jahren die Werbetrommel für das Studium im IT-Bereich und verwandten Fächern. 

Insbesondere mehr Frauen sollen für MINT-Berufe gewonnen werden. Doch obwohl sich im Jahr 2017 40 Prozent aller Studienanfänger für ein MINT-Fach entschieden haben, lässt sich der aktuelle Fachkräftemangel damit nicht beheben. 

Schuld ist unter anderem der demografische Wandel. Die geburtenstarken Babyboomer gehen demnächst in Rente. Seit dem Ende der 1960er Jahre ist aber die Geburtenrate in der Bundesrepublik sowie in der ehemaligen DDR gesunken, bis sie sich bei unter 1,5 Kinder pro Frau eingependelt hat. Erst seit 2009 steigt die Kurve langsam wieder. Die geringe Geburtenrate schlägt auch im Bereich der Absolventen negativ zu Buche, so dass die Alterspyramide droht, kopfzustehen: Auf immer weniger Arbeitnehmer kommen immer mehr Rentenbezieher.

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Folgen des Fachkräftemangels in der IT-Branche 

Unternehmen suchen daher nicht mehr nur in Deutschland nach geeigneten Kandidaten. Der globalisierte Markt und die immer bessere Vernetzung macht es möglich, international zu rekrutieren. Remote Work und der Einsatz von Freelancern sind weitere Möglichkeiten, um Auftragsspitzen im IT-Bereich zu bewältigen. 

HR setzt auf neue Kanäle, um freie und feste Mitarbeiter zu gewinnen. Social-Media-Plattformen und Karrierenetzwerke werden für das Recruiting herangezogen. Die Unternehmen schalten im War for Talents nicht nur Jobanzeigen, sondern versuchen sich zusätzlich von ihrer besten Seite zu zeigen und kommunizieren ihre Unternehmenswerte nach außen.

Mögliche Strategien im War for Talents

Die Generation Y profitiert von einer Verschiebung der Machtverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt. IT-Spezialisten können sich verstärkt aussuchen, für wen sie arbeiten möchten. Employer Branding gehört damit in das Arsenal im War for Talents. Die Arbeitgeber locken mit Benefits und modernen Arbeitszeitmodellen, um junge Talente zu gewinnen. 

Darüber hinaus schlagen die Unternehmen einen neuen Ton an. Potentielle Kandidaten werden im Personalwesen wie potentielle Kunden behandelt. Das wirft die Frage auf: Wie erreiche ich die gewünschte Zielgruppe am besten? Viele Unternehmen entscheiden sich gegen das förmliche Sie und duzen potentielle Mitarbeiter. Statt Floskeln und undurchsichtiger Formulierungen bedienen sie sich einer verständlichen Sprache, die angehende IT-Experten anspricht. Dabei sind auch Insider-Witze erlaubt. Statt von der nächsten Karrierestufe ist dann beispielsweise vom nächsten Level die Rede, das geradezu spielerisch erreicht werden kann.

Agilität steht dabei im Zentrum. Nur wer flexibel auf die enorme Innovationsgeschwindigkeit in der IT-Branche und im HR-Bereich reagiert, schafft es, neue Mitarbeiter anzuwerben und auch zu halten. 

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