IT-Fachkräftemangel

IT-Fachkräftemangel: Zahlen & Statistiken zum IT-Arbeitsmarkt

Lesezeit: 4 Minuten

Der Fachkräftemangel in der IT-Branche ist in aller Munde – aber wie schlimm ist es wirklich? Wir wollen die Angst vor dem IT-Fachkräftemangel mit Zahlen und Fakten versehen.

Disclaimer:

Der Beitrag berücksichtigt noch nicht die durch die Corona-Krise entstandenen Verschiebungen am Markt – auch, weil es hierzu noch nicht viele aussagefähige Daten gibt. Einen interessanten Beitrag mit spannenden Zahlen zu dem Thema finden Sie auf dem Blog von indeed. Fazit: Auch die IT-Branche bleibt von der Corona-Krise nicht verschont, aber die langfristigen Aussichten sind gut.

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Wann herrscht überhaupt ein Fachkräftemangel?

Ein Fachkräftemängel herrscht dann, wenn Unternehmen vorhandene Arbeitsplätze aufgrund eines Mangels an qualifizierten Bewerbern langfristig nicht besetzen können.

Auf genau dieses Phänomen verweisen Digitalverbände wie der Bitkom. Obwohl nämlich bereits viele neue Arbeitsplätze in der IT-Branche geschaffen wurden, hätten die meisten Unternehmen noch wesentlich mehr Menschen einstellen können.

Zahlen und Eckdaten

IT-Personal wird heute sowohl bei der Herstellung vieler Produkte wie auch Dienstleistungen benötigt. Die Nachfrage dafür ist hoch und die deutsche Wirtschaft boomte in den letzten Jahren auch aufgrund dieses Marktes. Wenn nicht genügend IT-Fachkräfte ausgebildet werden, um der steigende Nachfrage gerecht zu werden, befürchten die Unternehmen eine mögliche Stagnation des derzeitigen Wachstums.

In der folgenden Grafik können Sie sehen, wie sich die Anzahl an offenen Stellen in der IT in den letzten Jahren entwickelt hat:

Anzahl an offenen Stellen in der IT in den letzten Jahren | Statista

Anzahl an offenen Stellen in der IT in den letzten Jahren

Die Situation scheint anhand erster Kennzahlen also dramatisch zu sein.

Auch die Anzahl an Unternehmen, die Probleme haben, ihre vakanten IT-Stellen zu besetzten ist im letzten Jahr hoch gewesen. In folgender Grafik sehen sie dazu die Unterschiede aufgeteilt nach Unternehmensgröße:

Statistik: Anteil von Unternehmen in Deutschland, die im Jahr 2018 Schwierigkeiten haben, freie Stellen für IT-Fachkräfte zu besetzen, nach Unternehmensgröße | Statista

Anteil von Unternehmen in Deutschland, die im Jahr 2018 Schwierigkeiten hatten, freie Stellen für IT-Fachkräfte zu besetzen, nach Unternehmensgröße

Forderungen der Branche: Förderung und Zuwanderung

Die Industrieverbände plädieren aufgrund dieser Zahlen und Probleme in der Branche für gezielte Förderungsprogramme durch die Politik. Sie sollen neue Professuren und Studienplätze im Bereich der Naturwissenschaften und IT bereit stellen und damit qualifizierte Absolventen ausbilden.

Außerdem plädieren viele Betriebe und Vertreter der Branche für ein modernes Zuwanderungsgesetz. Qualifizierte IT-Fachkräfte aus anderen Ländern sollen damit gezielt für Arbeitsplätze in Deutschland angeworben werden.

Unternehmen beschweren sich zudem zunehmend über hohe Gehaltsforderungen und unzureichende Erfahrung. (Quelle: Golem)

Wie schlimm ist es wirklich?

Arbeitnehmer können ich freuen

Es gibt im IT-Branche derzeit sehr gute Einstellungschancen und diese wird es auch in den nächsten Jahren noch geben.

Darüber herrscht Einigkeit. Auch, dass die „Time to Hire“ weiter steigen wird und viele Unternehmen gerne weitere Fachkräfte einstellen würden, legen die Daten nahe.

Fakt ist: Die Zahl der offenen Stellen für IT-Experten steigt nach Bitkom Research auch 2019 stark an. In Zeiten der zunehmendem und umfassenden Digitalisierung, die nach und nach immer mehr Branchen betrifft, ist diese Entwicklung wenig überraschend.

Die Fachkräfteengpassanalyse der Arbeitsagentur führt IT-Berufe weiterhin als Bereich mit Engpässen bei Experten.

Manche Wissenschaftler zweifeln

Ob man jedoch tatsächlich von einem eklatanten Fachkräftemangel reden kann, ist nicht so klar, wie es die allgemeine Wahrnehmung oftmals vermuten ließe. In den Wirtschaftsblättern und seitens der Forschungsinstitute fallen die Stimmen zum Teil kritisch aus.

Beispielsweise der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Straubhaar schlägt in diversen Interviews andere Töne an. Ihm nach herrscht eher ein „Führungsmangel“ als Fachkräftemangel werde von manchen Unternehmen mit Kalkül eingesetzt um Hilfsmaßnahmen von der Politik fordern. Er sagt, das Thema Zuwanderung werde im Bezug auf den Fachkräftemangel instrumentalisiert.

Auch lässt sich anhand einiger Statistiken festhalten, dass die Nachfrage in einigen Berufen höher ist als in der IT.

Statistik: Fachkräfteindex in Deutschland nach Berufsfeldern im September 2019 | Statista

Der monatliche Indexwert berechnet sich aus dem Verhältnis der aktuellen monatlichen Anzahl der Stellenausschreibungen in dem jeweiligen Berufsfeld zum Durchschnitt des Jahres 2013.

Es gibt auch weitere empirische Belege, die an einem schlimmen Fachkräftemangel zweifeln lassen.

Der bedeutendste davon ist die Lohnentwicklung (die auch Thomas Staubhaar in seinem Interview anführt). Sie ist in den letzten Jahren nur mäßig gestiegen.

Wenn die Unternehmen tatsächlich händeringend nach qualifizierten Arbeitskräften suchten, würden sie den Bewerben bessere Konditionen anbieten. Gut möglich, dass ein Teil der Fachkräfte sich auf die ausgeschriebenen Stellen schlicht und einfach deshalb nicht bewirbt, weil in anderen Unternehmen oder Ländern bessere Konditionen locken. Auch sagt eine Zahl über offene Stelle nichts über einen Fachkräftemangel aus.

Entwicklung der Marktsituation

Im letzten Jahr wurden ausgesprochen viele Arbeitskräfte eingestellt. Allerdings wird das Angebot an passend qualifizierten Arbeitnehmern in manchen Branchen knapper. Dies führt in manchen Bereichen zu um einige Monate verlängerten Suchphasen für Arbeitgeber.

Allerdings verändert sich auch der Arbeitnehmermarkt. So beschweren sich mittlerweile viele Recruiter über unzureichend qualifizierte IT’ler oder solche mit zu hohen Gehaltsvorstellungen. Auch wird eine geringe Bereitschaft zum Geschäftsreisen und für berufsbedingte Umzüge bemängelt. Dies kann daran liegen, dass IT’ler nicht zwingend jede sich bietende Stelle annehmen müssen und haben daher Ihre Ansprüche nach oben korrigiert.

Fazit

Die digitalen Herausforderungen werden für alle Unternehmen substanziell sein. Hierfür stehen in Deutschland viele IT-Fachkräfte zur Verfügung – die allerdings nicht immer schnell gefunden werden. Die hohe Nachfrage erschwert Unternehmen den Kampf um die IT-Talente – unattraktive Arbeitgeber haben es unter diesen Umständen extrem schwer.

Die Unternehmen können diesem Kampf nicht aus dem Weg gehen. Sie sollten sich vorbereiten: Es gilt, die eigenen Lage zu analysieren und kreative und effektive Maßnahmen zu ergreifen.

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Mehr zum Thema:

Hallo! Ich habe ein Wirtschaftsstudium an der Uni Bielefeld abgeschlossen und arbeite seit 2018 bei IT-Talents. Gemeinsam mit dem IT-Talents-Team konnte ich schon Stipendien, Programmierwettbewerbe und andere Aktionen in der IT-Branche durchführen und mein Fachwissen über Personalmarketing in der IT-Branche stetig ausbauen. Baujahr 1991, sportverrückt. Auch zu finden bei LinkedIn und Xing.

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