IT-Fachkräftemangel: Zahlen & Statistiken zum IT-Arbeitsmarkt

IT-Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel in der IT-Branche ist in aller Munde – aber ist er wirklich da? Wir wollen den IT-Fachkräftemangel einmal aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.

Definition: Wann herrscht Fachkräftemangel?

Ein Fachkräftemängel herrscht dann, wenn Unternehmen vorhandene Arbeitsplätze aufgrund eines Mangels an qualifizierten Bewerbern nicht besetzen können. Auf genau dieses Phänomen verweisen Digitalverbände wie der Bitkom. Obwohl nämlich bereits viele neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, hätten die meisten Unternehmen noch wesentlich mehr Menschen einstellen können.

Infografik: Mangel an IT-Experten wird größer | Statista

IT-Personal wird heute sowohl bei der Herstellung vieler Produkte wie auch Dienstleistungen benötigt. Die Nachfrage dafür ist hoch und die deutsche Wirtschaft boomt auch aufgrund dieses Marktes. Wenn nicht genügend IT-Fachkräfte nachkommen, um der steigende Nachfrage gerecht zu werden, befürchten die Unternehmen eine mögliche Stagnation des derzeitigen Wachstums.

Viele Industrieverbände plädieren deshalb für gezielte Förderungsprogramme durch die Politik. Sie sollen neue Professuren und Studienplätze im Bereich der Naturwissenschaften und IT bereit stellen und damit qualifizierte Absolventen ausbilden.

Statistik: Anteil von Unternehmen in Deutschland, die im Jahr 2018 Schwierigkeiten haben, freie Stellen für IT-Fachkräfte zu besetzen, nach Unternehmensgröße | Statista

Außerdem plädieren die meisten Betriebe im Bereich der IT für ein modernes Zuwanderungsgesetz. Qualifizierte IT-Fachkräfte aus anderen Ländern sollen damit gezielt für Arbeitsplätze in Deutschland angeworben werden.

Gibt es wirklich einen IT-Fachkräftemangel?

Was für einen IT-Fachkräftemangel spricht…

Es gibt im IT-Branche derzeit sehr gute Einstellungschancen und diese wird es auch in den nächsten Jahren noch geben. Darüber herrscht Einigkeit. Auch, dass die „Time to Hire“ weiter steigt und viele Unternehmen gerne weitere Fachkräfte einstellen würden, legen die Daten nahe. Ob man jedoch tatsächlich von einem Fachkräftemangel reden kann, ist keineswegs so klar, wie es die allgemeine Wahrnehmung oftmals vermuten ließe.

Fakt ist: Die Zahl der offenen Stellen für IT-Experten steigt nach Bitkom Research auch 2019 stark an. In Zeiten der zunehmendem und umfassenden Digitalisierung, die nach und nach immer mehr Branchen betrifft ist diese Entwicklung wenig überraschend.

… und was gegen einen IT-Fachkräftemangel spricht

Fraglich ist jedoch, ob dies wirklich zu einen manifesten Fachkräftemangel bedeutet. Das Wort wird zwar von den IT-Verbänden regelmäßig in Pressemitteilungen bemüht und auch ins Feuilleton der Zeitungen hat das Schlagwort Eingang gefunden. In den Wirtschaftsblättern und seitens der Forschungsinstitute fallen die Stimmen jedoch zum Teil auch anders aus.

Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Straubhaar kommt in einer Untersuchung ebenfalls zu einem anderen Ergebnis. Der stets vorgetragene Fachkräftemangel wird offenbar von manchen Unternehmen mit Kalkül eingesetzt um Hilfsmaßnahmen von der Politik erpressen.

Auch lässt sich anhand der Statistik festhalten, dass die Lage in einigen Berufen deutlich schlimmer ist als in der IT.

Statistik: Fachkräfteindex in Deutschland nach Berufsfeldern im September 2019 | Statista

Der monatliche Indexwert berechnet sich aus dem Verhältnis der aktuellen monatlichen Anzahl der Stellenausschreibungen in dem jeweiligen Berufsfeld zum Durchschnitt des Jahres 2013.

Tatsächlich gibt es nämlich auch empirische Belege, die gegen einen Fachkräftemangel sprechen. Der bedeutendste davon ist die Lohnentwicklung. Sie ist in den letzten Jahren nur mäßig gestiegen. Wenn die Unternehmen tatsächlich händeringend nach qualifizierten Arbeitskräften suchten, würden sie den Bewerben bessere Konditionen anbieten. Gut möglich, dass ein Teil der Fachkräfte sich auf die ausgeschriebenen Stellen schlicht und einfach deshalb nicht bewirbt, weil in anderen Ländern bessere Konditionen locken.

Auch sagt eine Zahl über offene Stelle nichts über einen Fachkräftemangel aus. Auch zeigen aktuelle Zahlen des statistischen Bundesamtes, dass sie Zahl der Unternehmen, die Probleme haben IT-Fachkräfte zu gewinnen, kaum erhöht. Dafür beschweren sich diese aber über zu hohe Gehaltsforderungen und unzureichende Erfahrung. (Quelle: Golem)

Entwicklung der Marktsituation

Aktuelle Studien zeigen: Im letzten Jahr wurden ausgesprochen viele Arbeitskräfte eingestellt. Allerdings wird das Angebot an passend qualifizierten Arbeitnehmern in manchen Branchen knapper. Dies führt in manchen Bereichen zu um einige Monate verlängerten Suchphasen für Arbeitgeber. Ein allgemeiner Fachkräftemangel im IT-Bereich ist bislang aber in erster Linie eine Zukunftsangst. Das Problem liegt oftmals in der niedrigen Attraktivität deutscher Unternehmen für qualifizierte Arbeitnehmer.

Allerdings verändert sich auch der Arbeitnehmermarkt. So beschweren sich mittlerweile viele Recruiter über unzureichend qualifizierte IT’ler oder solche mit zu hohen Gehaltsvorstellungen. Auch wird eine geringe Bereitschaft zum Geschäftsreisen und für berufsbedingte Umzüge bemängelt. IT’ler können sich Ihre Stelle aufgrund der hohen Nachfrage aussuchen und haben daher Ihre Ansprüche nach oben korrigiert.

Maßnahmen für Unternehmen

Wir wollen ihnen nun ein paar Maßnahmen anbieten, die nützlich sein können um IT-Talente anzulocken.

1. Infrastruktur und ambitionierte Projekte anbieten

Um den IT-Fachkräftemangel wirksam anzugehen, müssen Sie Ihre informationstechnologische Strategie komplett überdenken. Wer die IT-Abteilung als eurofressende Kostenstelle interpretiert und diese Einstellung im unternehmerischen Alltag auch lebt, wird nie attraktiv für eine wechselbereite Fachkraft sein. IT-Spezialisten möchten ein herausforderndes Umfeld vorfinden; eine digitale Spielwiese mit Entwicklungsmöglichkeiten. Wenn da ein Unternehmen verstaubte physische Server in einem noch mehr verstaubten Serverraum vorweist, wird das keine Begeisterungsstürme im IT-Interessentenkreis entfachen. Moderne Infrastruktur mit aktuellen, ambitionierten Projekten hingegen schon. 

Eine Möglichkeit, um wirklich ambitionierte Programmierer abzuholen und ihnen spannende Projekte anzubieten, ist das initiieren eines Programmierwettbewerbes.

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2. Employer Branding als langfristige Maßnahme

Justieren Sie Ihre Zeitschiene im E-Recruiting neu. Die Suche darf nicht erst starten, wenn der zusätzliche IT-Bedarf entstanden ist, sondern schon lange zuvor. Der Kontakt zu Ihren potenziellen IT-Experten muss frühzeitig aufgebaut und über die Jahre gehalten werden. Diese Maßnahmen wird oft mit dem Begriff Employer Branding zusammengefasst. Kontakte zu den Ausbildungsstätten und Universitäten sind eine Möglichkeit. Entsprechende langfristige unternehmerische Aktivitäten in Netzwerken und Plattformen, in denen sich IT-Kräfte digital bewegen, sind heute ebenfalls notwendig.

3. Rückmeldung einholen

Achten Sie darauf, wie Ihr Unternehmen auf Bewerber und Interessenten wirkt. Befragen Sie regelmäßig die Gäste bei Kundenbesuchen oder Bewerbungsgesprächen nach deren Einschätzung. So erkennen Sie, ob Sie so gesehen werden, wie Sie sich das vorgestellt und vorgenommen haben. Arbeiten Sie aktiv am Eindruck, den Ihr Unternehmen auf die Menschen außerhalb ihrer Firmen-Sphäre hinterlässt – stärken Sie die Unternehmensmarke! Das Stichwort ist auch hier: Employer Branding.

4. Werben sie speziell um weibliche IT-Fachkräfte

Gehen Sie gezielt neue Wege. Während in der Vergangenheit Männer die IT-Szene geprägt haben, kommt heute auch verstärkt das weibliche Geschlecht zu den Bits und Bytes. Ergreifen Sie die Chance und richten Sie Ihr Unternehmen danach aus. Zielen Sie auf weibliche Fachkräfte ab; nehmen Sie beispielsweise an der Girl’s-Day-Kampagne teil und erzeugen Sie somit feminine Aufmerksamkeit.

Frauen in der IT
Weibliche IT-Kräfte sind immer häufiger anzutreffen und eine echte Chance für IT-Unternehmen

5. Stellen verstärkt überregional ausschreiben & ausländische IT-Fachkräfte berücksichtigen

Auch kann der gezielte Fokus auf ausländische Fachkräfte eine Option sein. Richten Sie sich hierfür international aus und bieten Sie Deutschkurse sowie Unterstützung bei den behördlichen Hürdenläufen an. Seien Sie bei allen Maßnahmen kreativ und schaffen Sie Mehrwert und Nutzen für die Zielgruppe.

6. Alternative Beschäftigungsformen: Freelancer gegen den Fachkräftemangel

Selbst zur herkömmlichen Stellenbesetzung gibt es Alternativen. Setzen Sie für (temporäre) Standardaufgaben Freelancer oder externe Dienstleister ein. Hier hat sich in den vergangenen Jahren ein großer Markt mit hochspezialisierten Experten gebildet. Die IT-Aufgaben sind so vielschichtig geworden, dass der Einsatz von Expertenwissen oft im Vergleich zum Standardwissen eines eigenen IT-Mitarbeiters effektiver sein kann. 

7. Entwicklen Sie Talente von früh auf

Auch kann es eine Alternative sein, junge und vergleichsweise unerfahrene IT-Kräfte selbst auszubilden oder anzustellen und im Unternehmen on-the-job gezielt zu entwickeln. Der zeitlichen Investition für das Unternehmen steht dann aber erst zu einem späteren Zeitpunkt ein Benefit entgegen. Versuchen Sie, dass die IT-Talente sich bereits früh mit Ihrem Unternehmen identifizieren können. Dies erleichtert den späteren Recruiting-Prozess enorm, Sie sind der Konkurrenz einen Schritt voraus.

8. Bieten Sie besondere Unterstützungen – IT-Stipendien ausschreiben

Wenn Sie Ihr Personal bei der Wohnungssuche und bei der Integration in den Alltag unterstützen, können Sie Mitarbeiter locken, die sonst nicht den Weg zu Ihnen gefunden hätten. Eine Möglichkeit wäre es für neue Kollegen Mentoren bereitzustellen, die Neueinsteiger aus anderen Regionen begleiten. Besonders für neue Mitarbeiter, die aus dem Ausland kommen und sich noch in der neuen Umgebung zurecht finden müssen, kann diese Maßnahme sehr lukrativ sein.

Eine besondere Unterstützung sind Sie, wenn sie IT-Stipendien ausschreiben und somit IT-Talent frühzeitig für Ihr Unternehmen begeistern.

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Fazit

Die digitalen Herausforderungen werden für alle Unternehmen substanziell sein. Hierfür stehen IT-Fachkräfte zur Verfügung – allerdings nicht in ausreichender Zahl. Die Nachfrage ist deutlich höher als das Angebot – ein Kampf um diese knappen Ressourcen ist bereits in vollem Gange. Sie werden als Unternehmer diesem Kampf nicht aus dem Weg gehen können. Bereiten Sie sich daher vor; analysieren Sie Ihre persönliche Lage und ergreifen Sie kreative und effektive Maßnahmen. Wie schon in der Evolutionstheorie werden auch bei diesem Kampf die Arten gewinnen, die sich am besten an das Umfeld anpassen können.

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